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Feng Shunan aus Hejian

Posted: November 12th, 2012 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , , | No Comments »

Feng Shunan aus Hejian verfügte über eine gewisse Gewandtheit im Schreiben und schlug sich über zehn Jahre in der Hauptstadt mehr schlecht als recht durch. Jedesmal, wenn sich ihm eine Chance eröffnete, blieb er erfolglos. Wenn er jemanden um Hilfe bat, dann wurde ihm diese vollmundig zugesagt, aber es kam nichts. Not und Sorgen drückten ihn nieder, und schließlich bat er im Tempel des Lü Dongbin um einen Traum. In der Nacht träumte er, dass jemand zu ihm sagte: “Ärgere dich nicht darüber, dass die Leute engherzig zu dir sind. Dieses Schicksal hast du dir selber zuzuschreiben. In deinem letzten Leben liebtest du es, dir mit leeren Reden den Ruf eines edlen Mannes zu verschaffen. Wenn es da eine gute Sache gab, von der du aber wusstest, dass sie auf keinen Fall auf den Weg gebracht werden konnte, dann hast du immer wieder dazu ermuntert, so dass die Leute dir für deine Unterstützung dankten. Trafst du auf einen schlechten Menschen, von dem du wohl wusstest, dass es für ihn keinen Pardon geben würde, dann hast du ihm gegenüber die Sache immer wieder schöngeredet, so dass dir der Mann für deine Rettungsbemühungen dankbar war. Beides war für die Betroffenen ganz ohne Nutzen, aber die Dankbarkeit kam in jedem Fall dir zugute, der Groll richtete sich auf andere. Eine allzu raffinierte Berechnung! Und sowohl deine Befürwortungen als auch deine Rettungen hatten für dich selbst nicht die geringsten Konsequenzen, Nutzen oder Schaden lagen stets bei den anderen. Wenn eine Sache dich auch nur im Gerinsten hätte tangieren können, dann zogst du dich zurück so schnell es nur ging. Ungerührt hättest du zugesehen, wenn andere verbrannten oder ertranken, selbst einen Finger zu rühren wäre dir zuviel der Mühe gewesen. Bei einer solchen Gesinnung, was gibt es da noch zu fragen? Wenn du es so bedenkst, geschieht es dir dann nicht recht, wenn die Leute dir mit einer netten Miene begegnen, innerlich aber Abstand halten, wenn sie äusserlich Anteilnahme zeigen, dich im Herzen aber ignorieren? Wenn die Götter und Geister unsere Schuld beurteilen, dann kann man ein oder zwei Verfehlungen noch durch gute Taten ausgleichen, doch wenn die Freveltaten auf die Gesinnung zurückgehen, dann ist dies vor den Gesetzen des Jenseits unverzeihlich. Dein jetziges Leben ist schon gelaufen, aber du kannst Anstrengungen für die Zukunft unternehmen.” Tatsächlich endete er in Kälte und Hunger.

Aus Kapitel 3 des Yuewei Caotang Biji von Ji Yun (Ji Xiaolan, 1724-1805).



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