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Herrn Dus Probleme mit Füchsen und Dachsen

Posted: April 17th, 2013 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , , | No Comments »

Nach den “Frühling- und Herbstannalen des Lü Buwei” können die Totengeister in Liqiu menschliche Gestalt annehmen. Das gibt es tatsächlich. Während meiner Zeit in Urumqi erzählte der Offizier Bahabu von einem wohlhabenden älteren Herrn namens Du, der in Gansu lebte. Sein Haus stand in der freien Landschaft, und in der Nähe gab es viele Fuchs- und Dachshöhlen. Ihn störte deren nächtliches Geheule, und so ließ er die Höhlen alle ausräuchern und die Tiere vertreiben.

Kurz darauf sah man in den Innengemächern den Hausherrn sitzen, doch zur selben Zeit auch in der Haupthalle. Überall, wo man gehen oder sitzen konnte, da kam oder ging einer dieser Männer, es waren nicht weniger als ein Dutzend. In Gestalt, Stimme und Kleidung glichen sie völlig dem Herrn des Hauses, ebenso in der Art, wie sie ihre Anordnungen für den Haushalt trafen. Die Familie geriet in höchste Aufregung. Die Ehefrau und die Nebenfrau schlossen sich in ihren Zimmern ein und blieben für sich. Die Nebenfrau meinte, der Herr trüge ein schmuckloses Täschchen am Leib, an dem man ihn erkennen könne. Doch als man nachsah, da war das Täschchen nicht mehr da. Es war wohl schon gestohlen worden. Jemand gab folgenden Rat: „Wenn die Nacht kommt, werden sie sicher bei euch schlafen wollen. Derjenige, der gleich umkehrt, wenn er abgewiesen wurde, das ist der alte Herr. Die, die auf Einlass bestehen, das sind Dämonen.“ Es kehrten jedoch alle nach der Abweisung um. Jemand anders riet: „Lasst sie in der Halle Platz nehmen, und dann jemanden mit einem Gefäß in den Händen an ihnen vorbeigehen. Der soll dann mit Absicht stolpern und zu Boden stürzen, so dass das Gefäß zu Bruch geht. Wenn einen dann der Verlust dauert, er in Zorn gerät und schilt, dann ist es der alte Herr. Diejenigen, die das gleichgültig lässt, sind Dämonen.“ Doch alle bedauerten den Verlust, gerieten in Zorn und schalten. So ging das einen Tag und eine Nacht, man wusste sich nicht mehr zu helfen.

Nun gab es da eine Kurtisane, der der Mann sehr zugetan war. Von zehn Nächten verbrachte er drei oder vier in ihrem Haus. Sie kam, als sie von der Sache hörte, und sagte: “Dämonen haben immer eine Schar von Komplizen. Alles, was mit Worten übermittelt werden kann, das wissen sie im voraus, und alles, was gegenständlich ist, können sie als Trugbild sichtbar machen. Lasst sie nur in mein Haus kommen. Ich habe ja den Status einer Prostituierten, so brauche ich keine Rücksichten zu nehmen. Ein starker Mann soll sich mit einem großen Beil neben mein Lager postieren, ich selbst besteige nackt das Bett und empfange sie einen nach dem anderen. Wie sie sich nun dabei hin- und herwälzen, sich krümmen und strecken, ihr schnelles oder langsames Hinein und Heraus, wie sie einen streicheln und drücken, das können Worte nicht beschreiben, Aug’ und Ohr können es nicht erfassen. Doch ich selbst kann die kleinsten Unterschiede spüren. Was aber selbst unserem Herrn nicht bewusst ist, davon können auch die Dämonen nichts wissen. Wenn ich rufe ‘Beil!’, dann muss der Hieb sofort erfolgen. So werden die Dämonen gewiß besiegt!”

Man handelte nach ihren Worten. Einer der Männer hatte gerade die Bettdecke zurückgeschlagen und war noch kaum in sie eingedrungen, da rief sie schon: ‘Beil!’, und nach dem Hieb lag da tatsächlich ein toter Fuchs mit zertrümmertem Schädel. Ein zweiter hatte nur kurz gezögert, da schrie sie schon ‘Beil’, und er ergriff in Panik die Flucht. Den dritten Mann umarmte sie und rief dann voller Freude: „Das ist der echte, die anderen könnt ihr alle töten!“ Da ging man mit Schwertern und Stangen auf die Dämonen los und tötete mehr als die Hälfte von ihnen. Es waren alles Füchse und Dachse. Die unter ihnen, denen die Flucht gelang, kamen nie mehr zurück.

Wenn Vögel und vierfüßige Tiere nachts Geräusche machen, was geht das den Menschen an? Dieser alte Herr musste unbedingt ihre Höhlen ausräuchern – so hat er das Unheil selbst auf sich geladen. Andererseits, wenn die Füchse und Dachse menschliche Gestalt annehmen konnten, warum haben sie den Alten dann nicht aufgesucht und ihn gebeten, von dem Umzug verschont zu bleiben? Sie haben sich sogleich ihrem damönischen Treiben hingegeben und damit ihren Tod auch selbst verschuldet. An Intelligenz konnten sich beide Seiten nicht mit der Kurtisane messen.

Aus dem Yuewei Caotang Biji von Ji Yun (Ji Xiaolan, 1724-1805).



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