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Bauchschmerzen eines Wagenlenkers

Posted: Dezember 24th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , | No Comments »

Es war einmal ein König, der seine Frauen besonders streng beaufsichtigte. Seine Hauptgemahlin sprach zum Kronprinzen: „Ich, deine Mutter, habe mein ganzes Leben noch nie die Hauptstadt gesehen. Ich möchte einmal einen Ausflug machen. Sprich mit dem König darüber!“ Immer wieder äußerte sie diese Bitte, bis der Kronprinz dies dem König vortrug, und der genehmigte es. Der Kronprinz lenkte selbst den Wagen für sie. Die Beamtenschaft ließ er die Strassen säumen, wo sie mit Kotau den Wagen grüßten. Die Gemahlin streckte die Hand hinaus und öffnete den Vorhang, damit man sie sehen konnte. Als der Kronprinz sah, dass die Frauen so sind, da gab er vor, Bauchschmerzen zu haben und kehrte um. Die Gemahlin meinte: „Das war sehr entwürdigend für mich!” Der Kronprinz dachte bei sich: Wenn meine Mutter schon so ist, wie sind dann erst die übrigen! Und er verließ in der Nacht die Hauptstadt und begab sich in die Berge, um dort herumzustreifen und sie zu betrachten. Da gab es neben dem Weg einen Baum, unter dem eine schöne Quelle entsprang. Der Kronprinz stieg auf den Baum und sah einen Asramin alleine näherkommen. Er nahm ein Bad in dem Teich, holte Speisen heraus und aß. Dann zauberte er und spie eine Flasche aus, in der eine Frau war. Sie richteten sich an einer abgeschirmten Stelle eine Kammer her, und dann schlief der Asramin mit ihr. Die Frau wiederum zauberte ebenfalls und spie eine Flasche aus, in der ein Jüngling war. Sie schlief auch mit ihm und schluckte dann die Flasche wieder hinunter. Nach einer Weile erhob sich der Mönch, steckte die Frau wieder in die Flasche, und nachdem er sie verschluckt hatte, nahm er seinen Stab und ging. Nach seiner Rückkehr sagte der Kronprinz zum König, er möge den Mönch und die Beamtenschaft einladen, und dabei Speisen für drei Personen für ihn vorsehen. Als der Mönch eintraf, sagte er: „Ich bin alleine gekommen.“ Der Kronprinz sagte: „Ihr solltet die Frau herausholen und mit ihr gemeinsam speisen.“ Da blieb dem Mönch nichts anderes übrig, als die Frau herauszuholen. Dann sagte der Kronprinz zu der Frau: „Ihr solltet den Mann herausholen und mit ihm zusammen speisen.“ Als er das zum dritten Mal sagte, da blieb ihr keine Wahl. Sie holte den Mann heraus, aß mit ihm und ging. Der König fragte den Kronprinzen: „Woher wusstest du das?“ Er antwortete: „Als meine Mutter die Hauptstadt sehen wollte, da lenkte ich für sie den Wagen. Meine Mutter streckte ihre Hand hinaus und machte, dass man sie sehen konnte. Als mir bewusst wurde, dass die Frauen so voller Begierden sind, da schützte ich Bauchschmerzen vor, fuhr zurück und ging in die Berge. Da sah ich jenen Mönch, der eine Frau in seinem Bauch verbarg und mit ihr Unzucht trieb. Wie es ist, können Frauen nicht von der Unzucht ablassen. Ich wünschte, dass Ihr den Frauen in den hinteren Palastgemächern die Freiheit gebt und sie gehen lasst. Der König erließ darauf ein Dekret, dass jede, die die Frauengemächer verlassen wollte, ihren Willen haben solle. Der Meister spricht: Wem auf der Welt man nicht trauen kann, das sind die Frauen.

Aus dem Jiu za piyu jing (Taisho Tripitaka Vol. 4, No. 206 ?????), einer frühen Sammlung indisch-buddhistischer Fabeln, übersetzt von dem Mönch Kang Senghui (gest. 280 n.Chr.). Online-Volltext: http://book.qq.com/s/book/0/15/15775/index.shtml
Quelle: Fojing wenxue gushi xuan, Shanghai (Shanghai Guji Cbs), 1987. Ausgewählt und annotiert von Chang Renxia. S.146 f.



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