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Die Mutter des Unheils

Posted: Dezember 18th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , | No Comments »

Es war einmal ein Land, in dem reiften die Feldfrüchte, das Volk lebte in Frieden, und es gab keine Krankheiten. Tag und Nacht gab es Artistik und Musik, und niemand hatte Sorgen. Der König fragte seine Minister: „Ich habe gehört, dass es auf der Welt Unheil gibt. Was ist das?“ Sie antworteten: „Wir haben es auch noch nicht gesehen.“ Daraufhin entsandte der König einen Minister ins Nachbarland, wo er es kaufen sollte. Der Himmelsgott verwandelte sich in einen Menschen und bot es auf dem Markt zum Kauf an. Es sah so ähnlich aus wie ein Schwein und war mit eisernen Ketten gefesselt. Der Minister fragte: „Wie nennt man das?“ „Mutter des Unheils,“ war die Antwort. „Was kostet es?“ „Hunderttausend.“ Da betrachtete es der Minister und fragte: „Was frisst es?“ „Es frisst jeden Tag eine Pinte Nadeln.“ Der Minister forderte nun von jedem Haushalt Nadeln, woraufhin alle Menschen, wenn sie zu zweien oder dreien zusammenkamen, voneinander Nadeln verlangten, bis es in allen Distrikten und Provinzen zu Unruhen kam und die örtlichen Behörden nicht mehr ein noch aus wussten. Die Minister meldeten dem König: „Diese Unheilsmutter bringt Unruhe ins Volk, Frauen und Männer verlieren ihr Gewerbe. Wir wollen, dass es getötet wird.“ „Sehr gut!“, sagte der König. Darauf führte man es aus der Stadt. Doch Stiche drangen nicht in es ein, das Henkerbeil konnte es nicht verwunden, schnitt man es auf, dann starb es nicht. Zuletzt schichtete man Holz auf, um es zu verbrennen. Da wurde sein Leib rot wie Feuer, und es rannte davon. Kam es durch ein Dorf, dann brannte das Dorf. Kam es durch einen Marktflecken, dann brannte der Marktflecken. Kam es durch eine Stadt, dann brannte die Stadt. So rannte es durchs ganze Land. Die Wirrnis brachte dem Volk eine Hungersnot. Schuld daran war, dass man aus Überdruss an der Freude das Unheil gekauft hatte.

Aus dem Jiu za piyu jing (Taisho Tripitaka Vol. 4, No. 206 ?????), einer frühen Sammlung indisch-buddhistischer Fabeln, übersetzt von dem Mönch Kang Senghui (gest. 280 n.Chr.). Online-Volltext: http://book.qq.com/s/book/0/15/15775/index.shtml
Quelle: Fojing wenxue gushi xuan, Shanghai (Shanghai Guji Cbs), 1987. Ausgewählt und annotiert von Chang Renxia. S.148 f.



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