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Wie man Frauen behandelt

Posted: Dezember 16th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , | No Comments »

Als die Tochter des Drachenkönigs einst einen Ausflug machte, wurde sie von einem Rinderhirten gefesselt und geschlagen. Der König des Landes, der eine Reise zu den Grenzen unternahm, fand sie, löste ihre Fesseln und ließ sie gehen. Der Drachenkönig fragte seine Tochter, warum sie weine. Sie sagte, der König habe ihr Unrecht getan und sie geschlagen. Da sagte der Drachenkönig: “Dieser König ist stets menschenfreundlich und gütig, warum sollte er aus Willkür jemand schlagen?” Am Abend verwandelte sich der Drachenkönig in eine Schlange und belauschte den König unter seinem Bett. Der sprach zu seiner Gemahlin: “Auf meiner Reise habe ich ein Mädchen gefunden, das von einem Rinderhirten geschlagen wurde. Ich habe sie befreit.” Am nächsten Tag suchte der Drachenkönig den König in der Gestalt eines Menschen auf und sagte: “Ihr habt mir eine grosse Wohltat erwiesen. Meine Tochter wurde gestern auf ihrem Ausflug geschlagen, und Ihr seid hingegangen und habt sie befreit. Ich bin der Drachenkönig und möchte Euch einen Wunsch erfüllen.” Der König sagte: “Schätze habe ich schon viele, ich würde nur gern verstehen, was die Vögel und die Landtiere reden.” Der Drachenkönig sagte: “Fastet sieben Tage! Wenn die sieben Tage um sind, dann komme ich, um mit Euch zu sprechen. Doch lasst dies auf keinen Fall irgend jemand wissen!”
So handelte der König. Als er mit seiner Gemahlin speiste, erblickte er eine weibliche Motte, die zu einer männlichen sagte: “Hole mir Essen!” Die männliche antwortete: “Hole es dir selbst!” Die weibliche sagte: “Mein Bauch behindert mich!” Da konnte der König nicht an sich halten und musste lachen. Seine Gemahlin sagte: “Warum lacht Ihr?” Der König schwieg. Als er später mit seiner Gemahlin zusammensass, da sah er, wie sich zwei Motten an der Wand begegneten und stritten. Sie kämpften miteinander und fielen zu Boden. Wieder musste er lachen. Seine Gemahlin sagte: “Was soll dieses Gelächter?” Drei Mal fragte sie, dann antwortete der König: “Ich sage es dir nicht.” Die Gemahlin sprach: “Wenn Ihr es mir nicht sagt, dann nehme ich mir das Leben.” Der König meinte: “Wenn ich von meiner Reise zurückkehre, dann sage ich es dir.” Dann brach er auf.
Der Drachenkönig verwandelte sich in eine Herde von Hunderten von Ziegen, die einen Fluss überquerten. Eine trächtige Ziege rief dem Ziegenbock zu: “Komm zurück und geleite mich!” Der Ziegenbock sagte: “Ich bin in Eile und kann dich nicht durch den Fluss geleiten.” Die Ziege sagte: “Wenn du es nicht tust, dann bringe ich mich um! Siehst du denn nicht, dass selbst der König sein Leben für seine Frau hingibt?” Der Ziegenbock sagte: “Jener König ist töricht, soll er doch für seine Frau sterben. Glaubst du, dass ich keine Ziegen mehr habe, wenn du stirbst?” Als das der König hörte, da dachte er bei sich: Bin ich als Herrscher eines Landes nicht einmal so klug wie ein Ziegenbock?
Nach seiner Rückkehr sagte seine Gemahlin zu ihm: “Wenn Ihr es mir nicht sagt, dann bringe ich mich um!” Darauf der König: “Gut, dann bringe dich eben um! Ich habe viele Frauen in meinem Palast, auf dich kommt es nicht an!”
Der Meister spricht: Törichte Männer lassen ihr Leben für die Wünsche von Frauen.

Aus dem Jiu za piyu jing (Taisho Tripitaka Vol. 4, No. 206 ?????), einer frühen Sammlung indisch-buddhistischer Fabeln, übersetzt von dem Mönch Kang Senghui (gest. 280 n.Chr.). Online-Volltext: http://book.qq.com/s/book/0/15/15775/index.shtml
Quelle: Fojing wenxue gushi xuan, Shanghai (Shanghai Guji Cbs), 1987. Ausgewählt und annotiert von Chang Renxia. S.147 f.



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