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	<title>Salzstromhütte</title>
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	<description>盐水庐随笔 Aufzeichnungen aus der Hütte am Salzstrom</description>
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		<title>Herrn Dus Probleme mit Füchsen und Dachsen</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 10:26:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach den &#8220;Frühling- und Herbstannalen des Lü Buwei&#8221; können die Totengeister in Liqiu menschliche Gestalt annehmen. Das gibt es tatsächlich. Während meiner Zeit in Urumqi erzählte der Offizier Bahabu von einem wohlhabenden älteren Herrn namens Du, der in Gansu lebte. Sein Haus stand in der freien Landschaft, und in der Nähe gab es viele Fuchs- und Dachshöhlen. Ihn störte deren nächstliches Geheule, und so ließ er die Höhlen alle ausräuchern und die Tiere vertreiben.</p>
<p>Kurz darauf sah man in den Innengemächern den Hausherrn sitzen, und gleichzeitig in der Haupthalle. Überall, wo man gehen oder sitzen konnte, da kam oder ging einer dieser Männer, es waren nicht weniger als ein Dutzend. In Gestalt, Stimme und Kleidung glichen sie völlig dem Herrn des Hauses, ebenso in der Art, wie sie ihre Anordnungen für den Haushalt trafen. Die Familie geriet in höchste Aufregung. Die Ehefrau und die Nebenfrau schlossen sich in ihren Zimmern ein und blieben für sich. Die Nebenfrau meinte, der Herr trüge ein schmuckloses Täschchen am Leib, an dem man ihn erkennen könne. Doch als man nachsah, da war das Täschchen nicht mehr da. Es war wohl schon gestohlen worden. Jemand gab folgenden Rat: „Wenn die Nacht kommt, werden sie sicher bei euch schlafen wollen. Derjenige, der gleich umkehrt, wenn er abgewiesen wurde, das ist der alte Herr. Die, die auf Einlass bestehen, das sind Dämonen.“ Es kehrten jedoch alle nach der Abweisung um. Jemand anders riet: „Lasst sie in der Halle Platz nehmen, und dann jemanden mit einem Gefäß in den Händen an ihnen vorbeigehen. Der soll dann mit Absicht stolpern und zu Boden stürzen, so dass das Gefäß zu Bruch geht. Wenn einen dann der Verlust dauert, er in Zorn gerät und schilt, dann ist es der alte Herr. Diejenigen, die das gleichgültig läßt, sind Dämonen.“ Doch alle bedauerten den Verlust, gerieten in Zorn und schalten. So ging das einen Tag und eine Nacht, man wusste sich nicht mehr zu helfen.</p>
<p>Nun gab es da eine Kurtisane, der der Mann sehr zugetan war. Von zehn Nächten verbrachte er drei oder vier in ihrem Haus. Sie kam, als sie von der Sache hörte, und sagte: &#8220;Dämonen haben immer eine Schar von Komplizen. Alles, was mit Worten übermittelt werden kann, das wissen sie im voraus, und alles, was gegenständlich ist, können sie als Trugbild sichtbar machen. Lasst sie nur in mein Haus kommen. Ich habe ja den Status einer Prostituierten, so brauche ich keine Rücksichten zu nehmen. Ein starker Mann soll sich mit einem großen Beil neben mein Lager postieren, ich selbst besteige nackt das Bett und empfange sie einen nach dem anderen. Wie sie sich nun dabei hin- und herwälzen, sich krümmen und strecken, ihr schnelles oder langsames Hinein und Heraus, wie sie einen streicheln und drücken, das können Worte nicht beschreiben, Aug und Ohr können es nicht erfassen. Doch ich selbst kann die kleinsten Unterschiede spüren. Was aber selbst unserem Herrn nicht bewusst ist, davon können auch die Dämonen nicht wissen. Wenn ich rufe &#8216;Beil!&#8217;, dann muss der Hieb sofort erfolgen. So werden die Dämonen gewiß besiegt!&#8221;</p>
<p>Man handelte nach ihren Worten. Einer der Männer hatte gerade die Bettdecke zurückgeschlagen und war noch kaum in sie eingedrungen, da rief sie schon: &#8216;Beil!&#8217;, und nach dem Hieb lag da tatsächlich ein toter Fuchs mit zertrümmertem Schädel. Ein zweiter hatte nur kurz gezögert, da schrie sie schon &#8216;Beil&#8217;, und er ergriff in Panik die Flucht. Den dritten Mann umarmte sie und rief dann voller Freude: „Das ist der echte, die anderen könnt ihr alle töten!“ Da ging man mit Schwertern und Stangen auf die Dämonen los und tötete mehr als die Hälfte von ihnen. Es waren alles Füchse und Dachse. Die unter ihnen, denen die Flucht gelang, kamen nie mehr zurück.</p>
<p>Wenn Vögel und vierfüßige Tiere nachts Geräusche machen, was geht das den Menschen an? Dieser alte Herr musste unbedingt ihre Höhlen ausräuchern – so hat er das Unheil selbst auf sich geladen. Andererseits, wenn die Füchse und Dachse menschliche Gestalt annehmen konnten, warum haben sie den Alten dann nicht aufgesucht und ihn gebeten, von dem Umzug verschont zu bleiben? Sie haben sich sogleich ihrem damönischen Treiben hingegeben und damit ihren Tod auch selbst verschuldet. An Intelligenz konnten sich beide Seiten nicht mit der Kurtisane messen.</p>
<p>Aus Kapitel 21 des <em>Yuewei Caotang Biji</em> von Ji Yun (Ji Xiaolan, 1724-1805).</p>
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		<title>Weltklugheit und Bücherwissen</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Aug 2010 06:12:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ji Yun]]></category>
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		<description><![CDATA[Der verstorbene Herr Yao An [mein Vater] erzählte mir: “Neben ihrem Studium sollten die jungen Leute auch ein wenig von der Familie und von der Welt wissen, erst dann können sie eine Familie führen und sich in der Welt engagieren. Zu Ende der Ming-Dynastie stand die &#8216;Lehre des Weges&#8217; [orthodoxe konfizianische Ethik in der Interpretation [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der verstorbene Herr Yao An [mein Vater] erzählte mir: “Neben ihrem Studium sollten die jungen Leute auch ein wenig von der Familie und von der Welt wissen, erst dann können sie eine Familie führen und sich in der Welt engagieren. Zu Ende der Ming-Dynastie stand die &#8216;Lehre des Weges&#8217; [orthodoxe konfizianische Ethik in der Interpretation der Song-Dynastie] in höchstem Ansehen, und die Beamtenprüfungen wurden sehr wichtig genommen. Die Schlauen redeten nur noch über die &#8216;Lehre des Herzens&#8217; [des Wang Yangming], bildeten Seilschaften und gewannen Einfluss, und auch die Biederen klammerten sich an ihre Lehrbücher, um einst Karriere zu machen. So kam es dazu, dass aus zehn Studierten kaum zwei oder drei verständige Menschen wurden.<br />
Im Jahr Ren-wu der Chong-zhen-Periode [1642] zog der Herr des Studios der Grosszügigkeit [Ji Houzhai] mit seiner Familie [in die Provinzhauptstadt von] Hejian [heutiges Henan], um den lokalen Banditen in Meng Cun aus dem Weg zu gehen. Nach seinem Tod kam die Nachricht, die grosse Armee [der Qing] würde bald Hejian erreichen, und man fasste den Plan, aufs Land zu ziehen. Kurz vor dem Aufbruch betrachtete ein alter Mann aus der Nachbarschaft die Türgötter und seufzte: ‚Wenn es heute Männer wie Yuchi Jingde und Qin Qiong gäbe, dann wäre es nicht so weit gekommen.’ Meine beiden Grossonkel, mit Namen [Ji] Jingxing und [Ji] Jingchen, waren beide bekannte Studiosi. Sie hörten das, als sie gerade vor dem Tor Deckenrollen verschnürten, und fingen an, mit dem Alten zu diskutieren: ‚Das sind Darstellungen von Shen Tu und Yu Lei, nicht von Yuchi Jingde und Qin Qiong!’ Der Alte gab nicht klein bei, sondern suchte in der ‚Reise nach dem Westen’ von Qiu Chuji nach einer Belegstelle. Meine beiden Grossonkel meinten, hier könne man sich nicht auf populäre Romanliteratur als Quelle verlassen. Sie gingen ins Haus zurück und holten das &#8216;Shen yi jing’ von Dongfang Shuo, um mit diesem Buch zu argumentieren. Es war nun schon Abend, und über das Nachschlagen war die Zeit ebenso vergangen wie über das Hin- und Herdiskutieren. Die Stadttore waren zu, man konnte nicht mehr hinaus. Als sie am Tag darauf aufbrechen wollten, hatte die Armee die Stadt schon eingeschlossen. Als sie eingenommen wurde, fand die ganze Familie den Tod. Nur dein Urgrossvater, Herr [Ji] Guanglu, dein Urgrossonkel, Herr [Ji] Zhenfan und dein Grossonkel, Herr [Ji] Yuntai, überlebten. Leben und Tod trennt nur ein Atemzug, die Breite eines Haares. Wenn man da noch Nachforschungen über die Echtheit alter Schriften anstellt – liegt der Grund dafür nicht darin, dass man nur Bücher zu lesen weiss, aber mit Dingen ausserhalb von ihnen nicht zurechtkommt?“ Diese Argumentation des Herrn Yao An habe ich bislang nie in meine Pinselnotizen aufzunehmen gewagt, da sie meine beiden Urgrossonkel betrifft. Doch wenn ich es heute recht überlege, dann ist es ja eigentlich nichts Schlimmes, ein Büchernarr zu sein. Seit den ältesten Zeiten gab es mehr als einen grossen Gelehrten, der so war. Deswegen füge ich es hier ein.</p>
<p>Aus Kapitel 21 des <em>Yuewei Caotang Biji</em> von Ji Yun (Ji Xiaolan, 1724-1805).</p>
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		<title>Der Tod einer Sopranistin</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 21:48:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Liu Yiqing]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Singmädchen Cao Caos hatte die klarste und höchste Stimme, doch einen äußerst schlechten Charakter. Wollte er sie töten, dann tat es ihm leid um ihr Talent, wollte er ihr Pardon gewähren, dann brachte er das auch nicht fertig. So ließ er hundert Mädchen auswählen und zusammen unterrichten. Nach kurzer Zeit kam tatsächlich eine von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Singmädchen Cao Caos hatte die klarste und höchste Stimme, doch einen äußerst schlechten Charakter. Wollte er sie töten, dann tat es ihm leid um ihr Talent, wollte er ihr Pardon gewähren, dann brachte er das auch nicht fertig. So ließ er hundert Mädchen auswählen und zusammen unterrichten. Nach kurzer Zeit kam tatsächlich eine von ihnen mit ihrer Stimme an die Sängerin mit dem schlechten Charakter heran, und er ließ letztere töten.</p>
<p>Aus dem <em>Shi shuo xin yu</em>, <a href="http://yixieshu.com/bookchapter/25717/">Kap.31.1</a>, von Liu Yiqing (403-444).</p>
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		<title>Risikoberuf Amme</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 22:20:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jia Chongs zweite Fau, eine Frau Guo, war äusserst eifersüchtig. Sie hatte einen einjährigen Sohn namens Limin. Als Jia Chong einmal nach Hause zurückkehrte, hatte seine Amme ihn gerade im Innenhof in ihren Armen. Der Knabe erblickte Jia Chong, hüpfte vor Freude, und Jia Chong küsste ihn, während die Amme ihn hielt. Die Guo sah das von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Jia Chongs zweite Fau, eine Frau Guo, war äusserst eifersüchtig. Sie hatte einen einjährigen Sohn namens Limin. Als Jia Chong einmal nach Hause zurückkehrte, hatte seine Amme ihn gerade im Innenhof in ihren Armen. Der Knabe erblickte Jia Chong, hüpfte vor Freude, und Jia Chong küsste ihn, während die Amme ihn hielt. Die Guo sah das von weitem, glaubte, Jia Chong sei in die Amme verliebt, und ließ sie töten. Der Knabe war daraufhin untröstlich. Er heulte vor Sehnsucht nach ihr und trank keine andere Milch. Binnen kurzem war er tot. Die Guo gebar danach nie mehr einen Sohn.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"> Aus dem <em>Shi shuo xin yu</em> , <a href="http://yixieshu.com/bookchapter/25708/">Kap. 35.3</a>, von Liu Yiqing (403-444).</p>
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		<title>Von der Mädchenleiche, die einem Studenten die Socken stopfte</title>
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		<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 07:05:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hong Mai]]></category>
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		<description><![CDATA[Lu Shizhong – er trug den Volljährigkeitsnamen Dangke &#8211; war berühmt für seine Fähigkeit, mit Fu-Zauberzetteln Totengeister zu bezwingen. In Beamtenkreisen nannte man ihn „Lu den Vollkommenen“. Er führte stets eine Liste über das Erscheinen von Dämonen mit sich. Im 1. Jahr der Regierungsperiode Jianyuan (1127 n.Chr.) war er von der Hauptstadt nach Osten unterwegs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="line-height: 150%; margin-bottom: 0cm;">Lu Shizhong – er trug den Volljährigkeitsnamen Dangke &#8211; war berühmt für seine Fähigkeit, mit Fu-Zauberzetteln Totengeister zu bezwingen. In Beamtenkreisen nannte man ihn „Lu den Vollkommenen“. Er führte stets eine Liste über das Erscheinen von Dämonen mit sich. Im 1. Jahr der Regierungsperiode Jianyuan (1127 n.Chr.) war er von der Hauptstadt nach Osten unterwegs und kam in den Kreis Lingbi. Der Kreispräfekt Bi Zao hatte sein Amt schon an einen Nachfolger übergeben, war jedoch noch nicht aufgebrochen. Sein Boot lag noch am Ufer. Als er vom Eintreffen Lus hörte, suchte er ihn auf und sagte: „Meine zweite Tochter wird von einem Totengeist gequält. Schon mehrmals habe ich Adepten und Priester des Dao gebeten, ihn zu bezwingen, doch sie ernteten nur Beschimpfungen und Beleidigungen, manche wurden sogar aus dem Haus geprügelt. Nun hat sich ihre Krankheit noch verschlimmert. Nur Ihr könnt sie noch retten. Bitte lasst Euch dazu herab, auf mein Boot zu kommen und einen Blick auf sie zu werfen!“ Lu sagte zu. Als er auf das Boot gekommen war und Platz genommen hatte, erhob sich die kranke Tochter ohne weiteres von ihrem Lager, kleidete sich an und begrüßte ihn. <span id="more-169"></span>Dann stand sie aufmerksam an seiner Seite, ohne Anzeichen von Krankheit zu zeigen. Frohgemut sprach sie zu ihm: „Dass ich vor Euch, den Vollkommenen, treten kann, ist ein Glück, das mir der Himmel geschenkt hat. Nie hatte ich Gelegenheit, mein Herz auszuschütten und vom Kummer meines ganzen Lebens zu erzählen, doch heute wage ich es, Euch jede Einzelheit darzulegen. Ich bin das Kind unserer ersten Mutter, meine jüngere Schwester jedoch wurde von der jetzigen Mutter geboren. Gestützt auf die Vorliebe meiner Stiefmutter hat sie mich in jeder Hinsicht zurückgesetzt und beleidigt. Als wir noch in der Hauptstadt wohnten, kam jemand mit einem Heiratsangebot. Die Sache war fast abgemacht, es fehlte nur noch ein Paar goldener Haarnadeln, doch die Schwester gab sie mir nicht. So wurde nichts aus der Heirat, und ich bin vor Gram gestorben. Doch nach meinem Tod hielten mich die Beamten der Unterwelt nicht dort fest, da meine Lebensspanne noch nicht verbraucht war. Heimatlos vagabundierte meine Seele umher, bis ich zufällig die Fee der Neun Himmel traf, als sie gerade einen Ausflug machte. Ich tat ihr leid wegen des Unrechts, das mir widerfahren war, und sie vertraute mir ein geheimes Verfahren an. Als mir das Verfahren fast schon gelungen war, machte wiederum die Zweite Schwester alles zunichte. Es ist mein Pech, im Leben wie im Tod stürzt mich diese Schwester ins Unheil. Jetzt will ich mit ihr zusammen in den Tod gehen, als Vergeltung für dieses Unrecht, und auch um die Fee der Neun Himmel um Vergebung zu bitten. Eure Pflicht ist es nur, Menschen von dämonischen Einflüssen zu befreien. Doch Unrecht verlangt nach Vergeltung, dagegen ist nichts zu machen. Ich hoffe, dass Ihr nicht weiter davon sprecht.“ Lu dachte lange nach und meinte dann: „Was sie sagt leuchtet ein.“ Zu Bi sprach er: „Ihr solltet im Guten Gebete sprechen und um Vergebung bitten, mit der Kunst des Dao ist hier nichts zu bewirken.“ Da stürzte die Tochter plötzlich zu Boden, und als man sie wieder aufgerichtet hatte, war sie so krank und schwach wie zuvor. Die Tochter, die den Gruss entboten hatte, war zwar die jüngere, aber die Worte kamen von der älteren, und diese war schon seit einigen Jahren tot. Am Tag darauf starb die zweitälteste Tochter. Lu kam zu einem Kondolenzbesuch und sprach zu ihrem Vater: „Die gestern erwähnten Windungen und Wendungen waren mir unbekannt. Allein, die Fee der Neun Himmel hat ihr dieses Verfahren doch erst nach ihrem Tod anvertraut, wie hätte die Zweiälteste es also zum Scheitern bringen sollen? Sicher weiß Eure Familie näheres darüber. Ich bitte Euch, mir nichts zu verheimlichen. Um meiner Kunst willen sollte ich über den ganzen Hergang Bescheid wissen.“ Der Präfekt Bi sagte: „Da hat es tatsächlich einmal einen absonderlichen Vorfall gegeben. Wenn ich es mir heute recht überlege, muss das der Grund sein. Nach ihrem Tod hatten wir die Älteste in einem Kloster ausserhalb der Hauptstadt vorläufig bestattet. Aus Anlass des Grabkehrens und der Opfer zum Fest der Kalten Speisen begab sich die ganze Familie dorthin. Neben den Gräbern wohnte ein Scholar. Er war nicht zuhause und hatte die Tür verschlossen. Jemand aus der Familie drang in seine Behausung ein und schaute sich heimlich in dem Raum um. Als die Zweite Tochter auf dem Tisch einen Bronzespiegel sah, rief sie, ‚Der stammt doch aus dem Sarg der Älteren Schwester &#8211; wie kommt er hierher? Er ist bestimmt gestohlen!’ Ich meinte, derartige Gegenstände seien sich doch ähnlich und würden in der Hauptstadt von vielen Händlern verkauft. Doch die Zweitälteste beharrte auf ihrer Meinung: ‚Als wir diesen Spiegel kauften, bekam jede von uns beiden Schwestern einen, und der Knoten und die Einfassung sind von meiner Hand. Das Papier, das wir verwendet haben, war das Visitenblatt des Beamten Soundso.“ Als man den Spiegel untersuchte, traf dies tatsächlich zu. Inmitten der allgemeinen Verwunderung kam der Scholar zurück. Erbost sagte er: ‚Was gibt es in der Behausung eines armen Scholaren zu sehen? Warum seid ihr hier ungefragt eingetreten?’ Die Zweitälteste sagte: ‚Du hast einen Sarg aufgebrochen und Dinge daraus entwendet. Hier ist das Diebesgut! Wir sind gekommen, um den Täter festzunehmen!’ Dann legten wir ihn in Fesseln. Der Scholar berichtete darauf: ‚Vor einem halben Jahr saß ich nachts da und studierte, als eine Frau anklopfte und sagte, ihre Schwiegermutter habe sie im Zorn zu ihren Eltern zurückgeschickt, doch die wohnten innerhalb der Stadtmauern, so dass sie jetzt nicht hinkommen könne; deswegen bitte sie um Unterkunft für eine Nacht. Sie weinte bitterlich und kam so wie von selbst in meinen Besitz. Wir waren uns in Liebe zugetan. Von da an kam sie jede Nacht, manchmal auch am Tage. Eines Tages ordnete ich, übers Wasser gebeugt, mein Haar. Als sie das sah, meinte sie lächelnd: ‚Hast Du keinen Spiegel? Ich habe zufällig einen.’ Darauf holte sie ihn und schenkte ihn mir. Es war dieser da! Oft nimmt sie auch Kleidungsstücke mit und flickt sie. Doch sie wollte nie sagen, aus welcher Familie sie stammt. Als wir uns gestern sahen, erzählte sie: ‚Morgen trifft sich meine Familie mit Verwandten und Gästen, da muss ich mich um sie kümmern und kann nicht herkommen. In der Nacht darauf werde ich wieder da sein’. Dann ging sie. Heute morgen wurde ich meiner Einsamkeit überdrüssig und machte einen Spaziergang durchs freie Gelände, um mir die Zeit zu vertreiben. Ich rechnete nicht damit, dass Ihr meine Wohnung betreten würdet.’ Als sie das gehört hatte, weinte meine ganze Familie, nur die Zweitälteste sagte: ‚Der Bursche lügt, wir müssen den Sarg öffnen und der Sache auf den Grund gehen.’ Darauf ging man mit ihm zu dem Grab, um nachzusehen. An der Rückseite des Aussensarges klaffte ein Spalt, groß genug für eine Hand. Nach dem Entfernen einiger Ziegel wurde der Holzsarg sichtbar. Dessen große Nägel waren alle gut einen Zoll weit gelockert. Als wir den Deckel abgenommen hatte, sahen wir die Älteste mit übergeschlagenen Beinen darin sitzen. Sie nähte gerade am Turbantuch eines Mannes. Von der Taille abwärts war ihr neues Fleisch gewachsen, ihre Haut war warm und weich. Oberhalb der Taille war die Leiche wächsern und ausgetrocknet. Da bedauerten wir unser Vorgehen. Wir schlossen den Sarg wieder, ließen den Scholaren frei und sagten ihm, er solle aus dem Kloster ausziehen. Das ist wohl schon gut drei Jahre her. Was die Fee der Neun Himmel betrifft – könnte es sich da nicht um die ‚Rückkehr des Skeletts und Auferstehung vom Tod’ handeln, von der bei den Daoisten die Rede ist, bei der für die Rückkehr ins Leben ein langes Zusammensein mit einem lebendigen Menschen notwendig ist? Wenn so etwas ans Licht kommt, dann kann der Vorgang nicht fortgesetzt werden, und aufgedeckt wurde alles ja von der Zweitältesten. Könnte dies nicht mit dem ‚Zunichtemachen des Verfahrens’ gemeint gewesen sein?“ All dies versetzte auch Herrn Lu in höchstes Erstaunen. Als er in Shanyang vorbeikam, erzählte er Guo Tongsheng davon. <em>Mitgeteilt durch Guo Tongshengs Sohn Guo Duo.</em></p>
<p style="LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN-BOTTOM: 0cm">Aus dem <em>Yijian zhi</em> des Hong Mai (1123-1202). Ediert von He Zhuo. Peking: Zhonghua Shuju, Neuauflage 2006. Band 1, S.237 f. Erstveröffentlichung in <em>Hefte für Ostasiatische Literatur</em> Nr.45 (November 2008), S.82-85.</p>
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		<title>Bauchschmerzen eines Wagenlenkers</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Dec 2009 09:50:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Jiu za pi yu jing]]></category>
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		<description><![CDATA[Es war einmal ein König, der seine Frauen besonders streng beaufsichtigte. Seine Hauptgemahlin sprach zum Kronprinzen: „Ich, deine Mutter, habe mein ganzes Leben noch nie die Hauptstadt gesehen. Ich möchte einmal einen Ausflug machen. Sprich mit dem König darüber!“ Immer wieder äußerte sie diese Bitte, bis der Kronprinz dies dem König vortrug, und der genehmigte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein König, der seine Frauen besonders streng beaufsichtigte. Seine Hauptgemahlin sprach zum Kronprinzen: „Ich, deine Mutter, habe mein ganzes Leben noch nie die Hauptstadt gesehen. Ich möchte einmal einen Ausflug machen. Sprich mit dem König darüber!“ Immer wieder äußerte sie diese Bitte, bis der Kronprinz dies dem König vortrug, und der genehmigte es. Der Kronprinz lenkte selbst den Wagen für sie. Die Beamtenschaft ließ er die Strassen säumen, wo sie mit Kotau den Wagen grüßten. Die Gemahlin streckte die Hand hinaus und öffnete den Vorhang, damit man sie sehen konnte. Als der Kronprinz sah, dass die Frauen so sind, da gab er vor, Bauchschmerzen zu haben und kehrte um. <span id="more-157"></span>Die Gemahlin meinte: „Das war sehr entwürdigend für mich!&#8221; Der Kronprinz dachte bei sich: Wenn meine Mutter schon so ist, wie sind dann erst die übrigen! Und er verließ in der Nacht die Hauptstadt und begab sich in die Berge, um dort herumzustreifen und sie zu betrachten. Da gab es neben dem Weg einen Baum, unter dem eine schöne Quelle entsprang. Der Kronprinz stieg auf den Baum und sah einen Asramin alleine näherkommen. Er nahm ein Bad in dem Teich, holte Speisen heraus und aß. Dann zauberte er und spie eine Flasche aus, in der eine Frau war. Sie richteten sich an einer abgeschirmten Stelle eine Kammer her, und dann schlief der Asramin mit ihr. Die Frau wiederum zauberte ebenfalls und spie eine Flasche aus, in der ein Jüngling war. Sie schlief auch mit ihm und schluckte dann die Flasche wieder hinunter. Nach einer Weile erhob sich der Mönch, tat die Frau wieder in die Flasche, und nachdem er sie verschluckt hatte, nahm er seinen Stab und ging. Nach seiner Rückkehr sagte der Kronprinz zum König, er möge den Mönch und die Beamtenschaft einladen, und dabei Speisen für drei Personen für ihn vorsehen. Als der Mönch eintraf, sagte er: „Ich bin alleine gekommen.“ Der Kronprinz sagte: „Ihr solltet die Frau herausholen und mit ihr gemeinsam speisen.“ Da blieb dem Mönch nichts anderes übrig, als die Frau herauszuholen. Dann sagte der Kronprinz zu der Frau: „Ihr solltet den Mann herausholen und mit ihm zusammen speisen.“ Als er das zum dritten Mal sagte, da blieb ihr keine Wahl. Sie holte den Mann heraus, aß mit ihm und ging. Der König fragte den Kronprinzen: „Woher wusstest du das?“ Er antwortete: „Als meine Mutter die Hauptstadt sehen wollte, da lenkte ich für sie den Wagen. Meine Mutter streckte ihre Hand hinaus und machte, dass man sie sehen konnte. Als mir bewusst wurde, dass die Frauen so voller Begierden sind, da schützte ich Bauchschmerzen vor, fuhr zurück und ging in die Berge. Da sah ich jenen Mönch, der eine Frau in seinem Bauch verbarg und mit ihr Unzucht trieb. Wie es ist, können Frauen nicht von der Unzucht ablassen. Ich wünschte, dass Ihr den Frauen in den hinteren Palastgemächern die Freiheit gebt und sie gehen lasst. Der König erließ darauf ein Dekret, dass jede, die die Frauengemächer verlassen wollte, ihren Willen haben solle. Der Meister spricht: Wem auf der Welt man nicht trauen kann, das sind die Frauen.</p>
<p>Aus dem <em>Jiu za piyu jing (Taisho Tripitaka Vol. 4, No. 206</em> 舊雜譬喻經<em>)</em>, einer frühen Sammlung indisch-buddhistischer Fabeln, übersetzt von dem Mönch Kang Senghui (gest. 280 n.Chr.). Online-Volltext: http://book.qq.com/s/book/0/15/15775/index.shtml<br />
Quelle: <em>Fojing wenxue gushi xuan</em>, Shanghai (Shanghai Guji Cbs), 1987. Ausgewählt und annotiert von Chang Renxia. S.146 f.</p>
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		<title>Die Mutter des Unheils</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Dec 2009 06:38:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war einmal ein Land, in dem reiften die Feldfrüchte, das Volk lebte in Frieden, und es gab keine Krankheiten. Tag und Nacht gab es Artistik und Musik, und niemand hatte Sorgen. Der König fragte seine Minister: „Ich habe gehört, dass es auf der Welt Unheil gibt. Was ist das?“ Sie antworteten: „Wir haben es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein Land, in dem reiften die Feldfrüchte, das Volk lebte in Frieden, und es gab keine Krankheiten. Tag und Nacht gab es Artistik und Musik, und niemand hatte Sorgen. Der König fragte seine Minister: „Ich habe gehört, dass es auf der Welt Unheil gibt. Was ist das?“ Sie antworteten: „Wir haben es auch noch nicht gesehen.“ Daraufhin entsandte der König einen Minister ins Nachbarland, wo er es kaufen sollte. <span id="more-145"></span>Der Himmelsgott verwandelte sich in einen Menschen und bot es auf dem Markt zum Kauf an. Es sah so ähnlich aus wie ein Schwein und war mit eisernen Ketten gefesselt. Der Minister fragte: „Wie nennt man das?“ „Mutter des Unheils,“ war die Antwort. „Was kostet es?“ „Hunderttausend.“ Da betrachtete es der Minister und fragte: „Was frisst es?“ „Es frisst jeden Tag eine Pinte Nadeln.“ Der Minister forderte nun von jedem Haushalt Nadeln, woraufhin alle Menschen, wenn sie zu zweien oder dreien zusammenkamen, voneinander Nadeln verlangten, bis es in allen Distrikten und Provinzen zu Unruhen kam und die örtlichen Behörden nicht mehr ein oder aus wussten. Die Minister meldeten dem König: „Diese Unheilsmutter bringt Unruhe ins Volk, Frauen und Männer verlieren ihr Gewerbe. Wir wollen, dass es getötet wird.“ „Sehr gut!“ sagte der König. Darauf führte man es aus der Stadt. Doch Stiche drangen nicht in es ein, das Henkerbeil konnte es nicht verwunden, schnitt man es auf, dann starb es nicht. Zuletzt schichtete man Holz auf, um es zu verbrennen. Da wurde sein Leib rot wie Feuer, und es rannte davon. Kam es durch ein Dorf, dann brannte das Dorf. Kam es durch einen Marktflecken, dann brannte der Marktflecken. Kam es durch eine Stadt, dann brannte die Stadt. So rannte es durchs ganze Land. Die Wirrnis brachte dem Volk eine Hungersnot. Schuld daran war, dass man aus Überdruss an der Freude das Unheil gekauft hatte.</p>
<p>Aus dem <em>Jiu za piyu jing (Taisho Tripitaka Vol. 4, No. 206</em> 舊雜譬喻經<em>)</em>, einer frühen Sammlung indisch-buddhistischer Fabeln, übersetzt von dem Mönch Kang Senghui (gest. 280 n.Chr.). Online-Volltext: http://book.qq.com/s/book/0/15/15775/index.shtml<br />
Quelle: <em>Fojing wenxue gushi xuan</em>, Shanghai (Shanghai Guji Cbs), 1987. Ausgewählt und annotiert von Chang Renxia. S.148 f.</p>
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		<title>Wie man Frauen behandelt</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 10:07:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als die Tochter des Drachenkönigs einst einen Ausflug machte, wurde sie von einem Rinderhirten gefesselt und geschlagen. Der König des Landes, der eine Reise zu den Grenzen unternahm, fand sie, löste ihre Fesseln und ließ sie gehen. Der Drachenkönig fragte seine Tochter, warum sie weine. Sie sagte, der König habe ihr Unrecht getan und sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als die Tochter des Drachenkönigs einst einen Ausflug machte, wurde sie von einem Rinderhirten gefesselt und geschlagen. Der König des Landes, der eine Reise zu den Grenzen unternahm, fand sie, löste ihre Fesseln und ließ sie gehen. <span id="more-133"></span>Der Drachenkönig fragte seine Tochter, warum sie weine. Sie sagte, der König habe ihr Unrecht getan und sie geschlagen. Da sagte der Drachenkönig: &#8220;Dieser König ist stets menschenfreundlich und gütig, warum sollte er aus Willkür jemand schlagen?&#8221; Am Abend verwandelte sich der Drachenkönig in eine Schlange und belauschte den König unter seinem Bett. Der sprach zu seiner Gemahlin: &#8220;Auf meiner Reise habe ich ein Mädchen gefunden, das von einem Rinderhirten geschlagen wurde. Ich habe sie befreit.&#8221; Am nächsten Tag suchte der Drachenkönig den König in der Gestalt eines Menschen auf und sagte: &#8220;Ihr habt mir eine grosse Wohltat erwiesen. Meine Tochter wurde gestern auf ihrem Ausflug geschlagen, und Ihr seid hingegangen und habt sie befreit. Ich bin der Drachenkönig und möchte Euch einen Wunsch erfüllen.&#8221; Der König sagte: &#8220;Schätze habe ich schon viele, ich würde nur gern verstehen, was die Vögel und die Landtiere reden.&#8221; Der Drachenkönig sagte: &#8220;Fastet sieben Tage! Wenn die sieben Tage um sind, dann komme ich, um mit Euch zu sprechen. Doch lasst dies auf keinen Fall irgend jemand wissen!&#8221;<br />
So handelte der König. Als er mit seiner Gemahlin speiste, erblickte er eine weibliche Motte, die zu einer männlichen sagte: &#8220;Hole mir Essen!&#8221; Die männliche antwortete: &#8220;Hole es dir selbst!&#8221; Die weibliche sagte: &#8220;Mein Bauch behindert mich!&#8221; Da konnte der König nicht an sich halten und musste lachen. Seine Gemahlin sagte: &#8220;Warum lacht Ihr?&#8221; Der König schwieg. Als er später mit seiner Gemahlin zusammensass, da sah er, wie sich zwei Motten an der Wand begegneten und stritten. Sie kämpften miteinander und fielen zu Boden. Wieder musste er lachen. Seine Gemahlin sagte: &#8220;Was soll dieses Gelächter?&#8221; Drei Mal fragte sie, dann antwortete der König: &#8220;Ich sage es dir nicht.&#8221; Die Gemahlin sprach: &#8220;Wenn Ihr es mir nicht sagt, dann nehme ich mir das Leben.&#8221; Der König meinte: &#8220;Wenn ich von meiner Reise zurückkehre, dann sage ich es dir.&#8221; Dann brach er auf.<br />
Der Drachenkönig verwandelte sich in eine Herde von Hunderten von Ziegen, die einen Fluss überquerten. Eine trächtige Ziege rief dem Ziegenbock zu: &#8220;Komm zurück und geleite mich!&#8221; Der Ziegenbock sagte: &#8220;Ich bin in Eile und kann dich nicht durch den Fluss geleiten.&#8221; Die Ziege sagte: &#8220;Wenn du es nicht tust, dann bringe ich mich um! Siehst du denn nicht, dass selbst der König sein Leben für seine Frau hingibt?&#8221; Der Ziegenbock sagte: &#8220;Jener König ist töricht, soll er doch für seine Frau sterben. Glaubst du, dass ich keine Ziegen mehr habe, wenn du stirbst?&#8221; Als das der König hörte, da dachte er bei sich: Bin ich als Herrscher eines Landes nicht einmal so klug wie ein Ziegenbock?<br />
Nach seiner Rückkehr sagte seine Gemahlin zu ihm: &#8220;Wenn Ihr es mir nicht sagt, dann bringe ich mich um!&#8221; Darauf der König: &#8220;Gut, dann bringe dich eben um! Ich habe viele Frauen in meinem Palast, auf dich kommt es nicht an!&#8221;<br />
Der Meister spricht: Törichte Männer lassen ihr Leben für die Wünsche von Frauen.</p>
<p>Aus dem <em>Jiu za piyu jing (Taisho Tripitaka Vol. 4, No. 206</em> 舊雜譬喻經<em>)</em>, einer frühen Sammlung indisch-buddhistischer Fabeln, übersetzt von dem Mönch Kang Senghui (gest. 280 n.Chr.). Online-Volltext: http://book.qq.com/s/book/0/15/15775/index.shtml<br />
Quelle: <em>Fojing wenxue gushi xuan</em>, Shanghai (Shanghai Guji Cbs), 1987. Ausgewählt und annotiert von Chang Renxia. S.147 f.</p>
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		<title>Traktat zur Bücherausleihe durch den jungen Herrn Huang</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Dec 2009 06:11:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Yuan Mei]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Huang Yunxiu, ein junger Mann, sich Bücher ausleihen wollte, überließ sie ihm der Herr des Sui-Gartens und teilte ihm mit:
Man liest nur die Bücher, die man sich ausleiht. Hat er nicht von den Büchersammlern gehört? Die Sieben Kataloge und die Sammlung Siku Quanshu, das sind die Bücher der Kaiser, aber wieviele Kaiser gab es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Huang Yunxiu, ein junger Mann, sich Bücher ausleihen wollte, überließ sie ihm der Herr des Sui-Gartens und teilte ihm mit:<br />
Man liest nur die Bücher, die man sich ausleiht. Hat er nicht von den Büchersammlern gehört? Die Sieben Kataloge und die Sammlung Siku Quanshu, das sind die Bücher der Kaiser, aber wieviele Kaiser gab es schon, die Bücher lasen? <span id="more-127"></span>„Bücherladungen, die Ochsen zum Schwitzen bringen“ und ganze Räume füllen, das sind die Bücher der Reichen und Hochgestellten, aber wieviele Reiche und Hochgestellte lesen schon Bücher? Ganz zu schweigen von den Fällen, wo die Großväter und Väter Bücher angesammelt haben, und die Söhne und Enkel sie mit Nichtachtung strafen.<br />
Nicht nur bei Büchern ist das so, es gilt für alle Dinge auf der Welt. Wenn sich einer etwas, was ihm nicht gehört, mit Mühe ausborgen konnte, dann sorgt er sich, dass es wieder zurückverlangt wird, und er wird es in einem fort ängstlich streicheln und sich an ihm erfreuen. Er sagt sich: Heute ist es da, morgen ist es fort, und ich werde es dann nie mehr zu sehen bekommen. Wenn es schon ihm selbst gehörte, dann würde er es an einer hohen Stelle sicher verwahren und sich sagen: Es eilt nicht, ich kann es ja später einmal betrachten.<br />
In meiner Jugend liebte ich Bücher sehr, doch ich war arm und kam nicht an sie heran. Ein Mann namens Zhang hatte einen großen Schatz an Büchern angesammelt. Ich ging zu ihm, um mir welche auszuleihen, doch er gab mir keine. Zurück zu Hause erschienen sie mir sogar im Traum, so stark war mein Verlangen. Deswegen durchdrang und memorierte ich alle Bücher, die ich zu lesen bekam. Nachdem ich Beamter geworden war, wanderte mein Gehalt dahin und die Bücher her, sie stapelten sich überall, doch fahle Büchermaden, Staub und Spinnweben bedeckten sie. Da wurde mir schmerzlich bewusst, welche Konzentration man als Bücherausleiher aufbringt, und wie kostbar die Zeit der Jugend ist.<br />
Heute ist der junge Huang ebenso arm wie ich damals, und wie ich strebt er danach, sich Bücher zu borgen. Nur meine Bereitschaft, andere an meinen Büchern teilhaben zu lassen, die unterscheidet sich doch wohl vom Büchergeiz jenes Herrn Zhang. Aber war es nun tatsächlich Pech, dass ich auf jenen Zhang traf, und ist es tatsächlich ein Glück für den jungen Mann, dass er auf mich trifft? Wenn er sich klar darüber ist, was Glück ist und was Pech, dann wird er die Bücher mit hoher Konzentration lesen und sie bald zurückbringen.<br />
Dazu schrieb ich dieses Traktat und ließ es zu den Büchern legen.</p>
<p><em>Von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Yuan_Mei">Yuan Mei</a> (1716-1797).</em></p>
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		<title>Bericht über einen Schlangenfänger</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 13:08:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>RM</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Liu Zongyuan]]></category>

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		<description><![CDATA[In Yongzhou kommt auf dem Lande eine sonderbare Art von schwarzen Schlangen mit weißer Zeichnung vor. Gräser und Bäume sterben ab, wenn sie von ihnen berührt werden, und für Menschen, die von ihnen gebissen werden, gibt es kein Gegenmittel. Doch wenn man sie fängt und an der Luft trocknet, um sie als Medizin zu verwenden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Yongzhou kommt auf dem Lande eine sonderbare Art von schwarzen Schlangen mit weißer Zeichnung vor. Gräser und Bäume sterben ab, wenn sie von ihnen berührt werden, und für Menschen, die von ihnen gebissen werden, gibt es kein Gegenmittel. Doch wenn man sie fängt und an der Luft trocknet, um sie als Medizin zu verwenden, dann können sie Aussatz, Gelenkkrümmungen, Halsgeschwülste und Geschwüre heilen, sowie faules Fleisch beseitigen und Parasiten abtöten. Das Hofärztliche Amt hatte einst auf höchsten Befehl veranlasst, sie zu sammeln. Zweimal jährlich waren sie einzuziehen. Man hatte nach Leuten gesucht, die sie fangen konnten, und diesen sollten stattdessen die Steuern erlassen werden. In Yongzhou wetteiferte man darum.<br />
Ein Mann namens Jiang genoss nun dieses Privileg schon in der dritten Generation. Als ich ihn dazu befragte, meinte er:<span id="more-112"></span> „Mein Großvater ist dabei zu Tode gekommen, mein Vater ist dabei zu Tode gekommen, und ich selbst bin, seit ich vor zwölf Jahren ihr Erbe antrat, schon mehrmals dabei fast gestorben.“ Nach diesen Worten machte er einen sehr betrübten Eindruck.<br />
Ich hatte Mitleid mit ihm und sagte: „Bist du es leid? Dann kann ich bei der Behörde ein Wort einlegen, dass dein Frondienst umgewandelt wird und du wieder Steuern abführen kannst. Wie wäre das?“ Da befiel Jiang Entsetzen, und er sagte unter Tränen: „Habt Ihr denn Mitleid mit mir und wollt mein Leben retten? Nun, das Unglück dieser meiner Fron ist nicht so groß wie das Unglück, das eine Rückkehr zu den Steuern bedeuten würde. Wenn ich nicht diesen Frondienst hätte, dann läge ich schon längst krank und erschöpft darnieder. Meine Familie ist nun seit drei Generationen hier ansässig, und in diesen sechzig Jahren ist das Los der Menschen hier immer schwerer geworden. Wenn zu Ende geht, was ihre Felder hergeben, wenn ihre Einnahmen verbraucht sind, dann ziehen sie unter Wehklagen an einen anderen Ort. Hungernd und dürstend straucheln sie, Wind und Wetter ausgesetzt, in Hitze und Kälte, Pesthauch atmend, so dass ein Sterbender neben dem anderen zu Boden sinkt. Von zehn Nachbarfamilien meines Großvaters ist kaum eine noch da, von zehn Nachbarfamilien meines Vaters sind kaum noch zwei oder drei da, und von zehn meiner eigenen Nachbarn von vor zwölf Jahren sind kaum noch vier oder fünf übrig. Sie sind entweder tot oder fortgezogen. Ich aber, der Schlangenfänger, bin noch da. Wenn die unbarmherzigen Steuereintreiber kommen, dann lärmen sie vor und hinter meinem Haus, links und rechts von meinem Haus gibt es solches Geschrei und solchen Tumult, so dass nicht einmal die Hühner und Hunde Ruhe finden. Dann steige ich voller Bangen aus dem Bett und schaue im Bottich nach, ob die Schlangen noch da sind. Dann lege ich mich beruhigt wieder nieder. Ich füttere sie mit Bedacht, und wenn die Zeit gekommen ist, dann liefere ich sie ab. Danach komme ich zurück und esse mit Genuss, was auf den Feldern wächst, um so meine vollen Lebensjahre auszuschöpfen. Jedes Jahr sehe ich also zweimal dem Tod ins Auge, die übrige Zeit verbringe ich glücklich und zufrieden. Wie wäre das zu vergleichen mit dem Schrecken, den meine Nachbarn Tag für Tag erdulden? Selbst wenn ich jetzt stürbe, dann käme mein Tod schon später als der meiner Nachbarn. Wie könnte ich es also wagen dessen leid zu sein?“<br />
Als ich das vernommen hatte, wurde meine Betrübnis noch größer. Konfuzius hat gesagt: „Unbarmherzige Regierung ist schlimmer, als es die Tiger sind.“ Früher hatte ich daran meine Zweifel. Doch wenn ich es jetzt vom Beispiel des Jiang her betrachte, dann ist es wahr. Ach! Wer hätte gedacht, dass die Steuern und Abgaben noch mörderischer sind als das Gift jener Schlangen! So habe ich diesen Bericht verfasst, damit er Verwendung findet, wenn jemand kommt, um die Lebensverhältnisse des Volkes zu studieren.</p>
<p>Von Liu Zongyuan (773–819).</p>
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