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Schweißausbrüche und Schlagfertigkeit

Posted: November 18th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , , | No Comments »

Zhong Yu und Zhong Hui waren schon als Knaben berühmt. Als sie dreizehn Jahre alt waren, hörte der Kaiser Wen der Wei-Dynastie von ihnen und sagte zu ihrem Vater Zhong Yao: “Lasse deine beiden Söhne herkommen!” Daraufhin kamen sie zur Audienz. Zhong Yu stand der Schweiß im Gesicht, und der Kaiser fragte ihn: “Warum steht dir der Schweiß im Gesicht?” Zhong Yu antwortete: “Mir ist vor Furcht ganz heiß, drum rinnt herab der Schweiß.” Darauf fragte der Kaiser Zhong Hui: “Und warum schwitzt du nicht?” Zhong Hui entgegnete: “Ich weiss vor Furcht nicht ein noch aus, drum wagt der Schweiß sich nicht heraus.”

Aus dem Shi shuo xin yu (Kap.2.11) von Liu Yiqing (403-444).


Eine Bootspartie mit Xie An

Posted: November 17th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , | No Comments »

Als Xie An müßig in den Ostbergen lebte, machte er einmal mit Sun Zhuo und den anderen eine Lustfahrt auf dem Meer. Da erhob sich starker Wind, die Wellen schlugen hoch, und Sun, Wang Xizhi und den anderen stand die Furcht ins Gesicht geschrieben. Sie riefen, man solle umkehren. Nur Xie An kam nun in Hochstimmung, summte ein Lied und sagte nichts. Weil Xie An eine so unbeschwerte Miene zeigte und vergnügt war, fuhren die Bootsleute immer voran und brachen die Fahrt nicht ab. Als der Wind noch mehr auffrischte und gewaltige Wellen kamen, da schrien alle in Panik und blieben nicht mehr sitzen. Xie An sagte ganz ruhig: „So kommen wir nicht zurück.“ Sogleich setzten sich alle wieder auf ihre Plätze. Wenn man es von diesem Vorfall her beurteilt, dann hatte er ausreichend Format, den Frieden in der Hauptstadt und draußen zu sichern.

Aus dem Shi shuo xin yu (Kap. 6.28) von Liu Yiqing (403-444).


Wann ist uns die Sonne am nächsten?

Posted: Oktober 30th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: | No Comments »

Als Konfuzius gen Osten wanderte, sah er zwei Knaben sich streiten und fragte nach dem Grund. Der eine Knabe sagte: „Ich meine, dass die Sonne uns am nächsten ist, wenn sie aufgeht, und mittags ist sie weiter weg. Der andere Knabe meinte, dass die Sonne bei ihrem Aufgang weiter weg sei und mittags näher. Der erste Knabe sagte: „Wenn die Sonne gerade aufgegangen ist, dann ist sie so groß wie ein Baldachin auf einem Wagen. Um die Tagesmitte ist sie so groß wie eine Schüssel. Ist das nicht so, weil Entferntes kleiner ist und Nahes größer?“ Der andere Knabe sagte: „Wenn die Sonne aufgeht, ist sie kühl, um die Tagesmitte ist sie kochend heiß. Ist das nicht so, weil Näheres heisser ist und Entferntes kälter?“ Konfuzius wusste keine Lösung. Die zwei Knaben lachten und sagten: „Wer sagt da, du wüsstest viel?“

Aus dem Lie zi (3.-4.Jh.n.Chr.). Text hier.


Die Schuld des Pferdezüchters

Posted: Oktober 29th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: , , | No Comments »

Ein Pferdezüchter der Herzogs Jing hatte eines von dessen Pferden getötet. Der Herzog geriet in Wut, nahm eine Lanze und wollte ihn erstechen. Meister Yan sprach: „So würde er sterben, ohne erfahren zu haben, welche Verbrechen er begangen hat. Lasst mich ihm an Eurer Stelle seine Verbrechen aufzählen und ihn danach töten.“ „Gut so!“ meinte der Herzog. Meister Yan erhob die Lanze, trat auf den Pferdezüchter zu und sprach: „Du züchtest Pferde für unseren Fürsten und hast eines getötet – das ist ein todeswürdiges Verbrechen. Du bringst unseren Fürsten dazu, wegen eines Pferdes einen Pferdezüchter zu töten – das ist gleichfalls ein todeswürdiges Verbrechen. Und du bewirkst, dass bei den Herrschern unserer Nachbarländer bekannt wird, dass unser Fürst wegen eines Pferdes einen Menschen tötet – auch das ist ein todeswürdiges Verbrechen.“ „Lasst ihn frei,“ sagte da der Herzog, „meine Menschlichkeit soll keinen Schaden leiden!“

Aus dem Kapitel Zheng jan des Shuo yuan von Liu Xiang (Westliche Han-Dynastie).


Eselsschreie als Totengeleit

Posted: Oktober 26th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: | No Comments »

Sun Zijing zeigte aufgrund seiner eigenen Begabung selten Bewunderung für andere, nur Wang Wuzi zollte er stets hohen Respekt. Bei der Trauer um Wang Wuzi waren die berühmten Männer jener Zeit in voller Zahl anwesend. Sun Zijing kam erst später dazu und weinte so bitterlich vor dem Leichnam, dass allen Gästen die Tränen kamen. Als er aufgehört hatte zu weinen, sprach er, zum Aufbahrungsbett gewandt: „Ihr habt es immer gern gehört, wenn ich den Schrei eines Esels nachahmte. Heute tue ich es wieder für Euch.“ Er tat es so mit solcher Ähnlichkeit in Gestalt und Stimme, dass alle Gäste in Gelächter ausbrachen. Sun blickte auf und sprach: „Dass Leute wie ihr weiterleben dürfen und dieser Mann sterben muss!“

Aus dem Shi shuo xin yu (Kap.17.3) von Liu Yiqing (403-444). Wang Wuzi starb etwa 285 n.Chr..