Posted: August 25th, 2010 | Author: RM | Filed under: Allgemein | 1 Comment »
Nach den “Frühling- und Herbstannalen des Lü Buwei” können die Totengeister in Liqiu menschliche Gestalt annehmen. Das gibt es tatsächlich. Während meiner Zeit in Urumqi erzählte der Offizier Bahabu von einem wohlhabenden älteren Herrn namens Du, der in Gansu lebte. Sein Haus stand in der freien Landschaft, und in der Nähe gab es viele Fuchs- und Dachshöhlen. Ihn störte deren nächstliches Geheule, und so ließ er die Höhlen alle ausräuchern und die Tiere vertreiben.
Kurz darauf sah man in den Innengemächern den Hausherrn sitzen, und gleichzeitig in der Haupthalle. Überall, wo man gehen oder sitzen konnte, da kam oder ging einer dieser Männer, es waren nicht weniger als ein Dutzend. In Gestalt, Stimme und Kleidung glichen sie völlig dem Herrn des Hauses, ebenso in der Art, wie sie ihre Anordnungen für den Haushalt trafen. Die Familie geriet in höchste Aufregung. Die Ehefrau und die Nebenfrau schlossen sich in ihren Zimmern ein und blieben für sich. Die Nebenfrau meinte, der Herr trüge ein schmuckloses Täschchen am Leib, an dem man ihn erkennen könne. Doch als man nachsah, da war das Täschchen nicht mehr da. Es war wohl schon gestohlen worden. Jemand gab folgenden Rat: „Wenn die Nacht kommt, werden sie sicher bei euch schlafen wollen. Derjenige, der gleich umkehrt, wenn er abgewiesen wurde, das ist der alte Herr. Die, die auf Einlass bestehen, das sind Dämonen.“ Es kehrten jedoch alle nach der Abweisung um. Jemand anders riet: „Lasst sie in der Halle Platz nehmen, und dann jemanden mit einem Gefäß in den Händen an ihnen vorbeigehen. Der soll dann mit Absicht stolpern und zu Boden stürzen, so dass das Gefäß zu Bruch geht. Wenn einen dann der Verlust dauert, er in Zorn gerät und schilt, dann ist es der alte Herr. Diejenigen, die das gleichgültig läßt, sind Dämonen.“ Doch alle bedauerten den Verlust, gerieten in Zorn und schalten. So ging das einen Tag und eine Nacht, man wusste sich nicht mehr zu helfen.
Nun gab es da eine Kurtisane, der der Mann sehr zugetan war. Von zehn Nächten verbrachte er drei oder vier in ihrem Haus. Sie kam, als sie von der Sache hörte, und sagte: “Dämonen haben immer eine Schar von Komplizen. Alles, was mit Worten übermittelt werden kann, das wissen sie im voraus, und alles, was gegenständlich ist, können sie als Trugbild sichtbar machen. Lasst sie nur in mein Haus kommen. Ich habe ja den Status einer Prostituierten, so brauche ich keine Rücksichten zu nehmen. Ein starker Mann soll sich mit einem großen Beil neben mein Lager postieren, ich selbst besteige nackt das Bett und empfange sie einen nach dem anderen. Wie sie sich nun dabei hin- und herwälzen, sich krümmen und strecken, ihr schnelles oder langsames Hinein und Heraus, wie sie einen streicheln und drücken, das können Worte nicht beschreiben, Aug und Ohr können es nicht erfassen. Doch ich selbst kann die kleinsten Unterschiede spüren. Was aber selbst unserem Herrn nicht bewusst ist, davon können auch die Dämonen nicht wissen. Wenn ich rufe ‘Beil!’, dann muss der Hieb sofort erfolgen. So werden die Dämonen gewiß besiegt!”
Man handelte nach ihren Worten. Einer der Männer hatte gerade die Bettdecke zurückgeschlagen und war noch kaum in sie eingedrungen, da rief sie schon: ‘Beil!’, und nach dem Hieb lag da tatsächlich ein toter Fuchs mit zertrümmertem Schädel. Ein zweiter hatte nur kurz gezögert, da schrie sie schon ‘Beil’, und er ergriff in Panik die Flucht. Den dritten Mann umarmte sie und rief dann voller Freude: „Das ist der echte, die anderen könnt ihr alle töten!“ Da ging man mit Schwertern und Stangen auf die Dämonen los und tötete mehr als die Hälfte von ihnen. Es waren alles Füchse und Dachse. Die unter ihnen, denen die Flucht gelang, kamen nie mehr zurück.
Wenn Vögel und vierfüßige Tiere nachts Geräusche machen, was geht das den Menschen an? Dieser alte Herr musste unbedingt ihre Höhlen ausräuchern – so hat er das Unheil selbst auf sich geladen. Andererseits, wenn die Füchse und Dachse menschliche Gestalt annehmen konnten, warum haben sie den Alten dann nicht aufgesucht und ihn gebeten, von dem Umzug verschont zu bleiben? Sie haben sich sogleich ihrem damönischen Treiben hingegeben und damit ihren Tod auch selbst verschuldet. An Intelligenz konnten sich beide Seiten nicht mit der Kurtisane messen.
Aus Kapitel 21 des Yuewei Caotang Biji von Ji Yun (Ji Xiaolan, 1724-1805).
Posted: August 5th, 2010 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Ji Yun, Yue wei cao tang bi ji | No Comments »
Der verstorbene Herr Yao An [mein Vater] erzählte mir: “Neben ihrem Studium sollten die jungen Leute auch ein wenig von der Familie und von der Welt wissen, erst dann können sie eine Familie führen und sich in der Welt engagieren. Zu Ende der Ming-Dynastie stand die ‘Lehre des Weges’ [orthodoxe konfizianische Ethik in der Interpretation der Song-Dynastie] in höchstem Ansehen, und die Beamtenprüfungen wurden sehr wichtig genommen. Die Schlauen redeten nur noch über die ‘Lehre des Herzens’ [des Wang Yangming], bildeten Seilschaften und gewannen Einfluss, und auch die Biederen klammerten sich an ihre Lehrbücher, um einst Karriere zu machen. So kam es dazu, dass aus zehn Studierten kaum zwei oder drei verständige Menschen wurden.
Im Jahr Ren-wu der Chong-zhen-Periode [1642] zog der Herr des Studios der Grosszügigkeit [Ji Houzhai] mit seiner Familie [in die Provinzhauptstadt von] Hejian [heutiges Henan], um den lokalen Banditen in Meng Cun aus dem Weg zu gehen. Nach seinem Tod kam die Nachricht, die grosse Armee [der Qing] würde bald Hejian erreichen, und man fasste den Plan, aufs Land zu ziehen. Kurz vor dem Aufbruch betrachtete ein alter Mann aus der Nachbarschaft die Türgötter und seufzte: ‚Wenn es heute Männer wie Yuchi Jingde und Qin Qiong gäbe, dann wäre es nicht so weit gekommen.’ Meine beiden Grossonkel, mit Namen [Ji] Jingxing und [Ji] Jingchen, waren beide bekannte Studiosi. Sie hörten das, als sie gerade vor dem Tor Deckenrollen verschnürten, und fingen an, mit dem Alten zu diskutieren: ‚Das sind Darstellungen von Shen Tu und Yu Lei, nicht von Yuchi Jingde und Qin Qiong!’ Der Alte gab nicht klein bei, sondern suchte in der ‚Reise nach dem Westen’ von Qiu Chuji nach einer Belegstelle. Meine beiden Grossonkel meinten, hier könne man sich nicht auf populäre Romanliteratur als Quelle verlassen. Sie gingen ins Haus zurück und holten das ‘Shen yi jing’ von Dongfang Shuo, um mit diesem Buch zu argumentieren. Es war nun schon Abend, und über das Nachschlagen war die Zeit ebenso vergangen wie über das Hin- und Herdiskutieren. Die Stadttore waren zu, man konnte nicht mehr hinaus. Als sie am Tag darauf aufbrechen wollten, hatte die Armee die Stadt schon eingeschlossen. Als sie eingenommen wurde, fand die ganze Familie den Tod. Nur dein Urgrossvater, Herr [Ji] Guanglu, dein Urgrossonkel, Herr [Ji] Zhenfan und dein Grossonkel, Herr [Ji] Yuntai, überlebten. Leben und Tod trennt nur ein Atemzug, die Breite eines Haares. Wenn man da noch Nachforschungen über die Echtheit alter Schriften anstellt – liegt der Grund dafür nicht darin, dass man nur Bücher zu lesen weiss, aber mit Dingen ausserhalb von ihnen nicht zurechtkommt?“ Diese Argumentation des Herrn Yao An habe ich bislang nie in meine Pinselnotizen aufzunehmen gewagt, da sie meine beiden Urgrossonkel betrifft. Doch wenn ich es heute recht überlege, dann ist es ja eigentlich nichts Schlimmes, ein Büchernarr zu sein. Seit den ältesten Zeiten gab es mehr als einen grossen Gelehrten, der so war. Deswegen füge ich es hier ein.
Aus Kapitel 21 des Yuewei Caotang Biji von Ji Yun (Ji Xiaolan, 1724-1805).
Posted: Februar 3rd, 2010 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Yiqing, Shi shuo xin yu | 2 Comments »
Ein Singmädchen Cao Caos hatte die klarste und höchste Stimme, doch einen äußerst schlechten Charakter. Wollte er sie töten, dann tat es ihm leid um ihr Talent, wollte er ihr Pardon gewähren, dann brachte er das auch nicht fertig. So ließ er hundert Mädchen auswählen und zusammen unterrichten. Nach kurzer Zeit kam tatsächlich eine von ihnen mit ihrer Stimme an die Sängerin mit dem schlechten Charakter heran, und er ließ letztere töten.
Aus dem Shi shuo xin yu, Kap.31.1, von Liu Yiqing (403-444).
Posted: Januar 31st, 2010 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Yiqing, Shi shuo xin yu | No Comments »
Jia Chongs zweite Fau, eine Frau Guo, war äusserst eifersüchtig. Sie hatte einen einjährigen Sohn namens Limin. Als Jia Chong einmal nach Hause zurückkehrte, hatte seine Amme ihn gerade im Innenhof in ihren Armen. Der Knabe erblickte Jia Chong, hüpfte vor Freude, und Jia Chong küsste ihn, während die Amme ihn hielt. Die Guo sah das von weitem, glaubte, Jia Chong sei in die Amme verliebt, und ließ sie töten. Der Knabe war daraufhin untröstlich. Er heulte vor Sehnsucht nach ihr und trank keine andere Milch. Binnen kurzem war er tot. Die Guo gebar danach nie mehr einen Sohn.
Aus dem Shi shuo xin yu , Kap. 35.3, von Liu Yiqing (403-444).
Posted: Januar 2nd, 2010 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Hong Mai, Yi jian zhi | 1 Comment »
Lu Shizhong – er trug den Volljährigkeitsnamen Dangke – war berühmt für seine Fähigkeit, mit Fu-Zauberzetteln Totengeister zu bezwingen. In Beamtenkreisen nannte man ihn „Lu den Vollkommenen“. Er führte stets eine Liste über das Erscheinen von Dämonen mit sich. Im 1. Jahr der Regierungsperiode Jianyuan (1127 n.Chr.) war er von der Hauptstadt nach Osten unterwegs und kam in den Kreis Lingbi. Der Kreispräfekt Bi Zao hatte sein Amt schon an einen Nachfolger übergeben, war jedoch noch nicht aufgebrochen. Sein Boot lag noch am Ufer. Als er vom Eintreffen Lus hörte, suchte er ihn auf und sagte: „Meine zweite Tochter wird von einem Totengeist gequält. Schon mehrmals habe ich Adepten und Priester des Dao gebeten, ihn zu bezwingen, doch sie ernteten nur Beschimpfungen und Beleidigungen, manche wurden sogar aus dem Haus geprügelt. Nun hat sich ihre Krankheit noch verschlimmert. Nur Ihr könnt sie noch retten. Bitte lasst Euch dazu herab, auf mein Boot zu kommen und einen Blick auf sie zu werfen!“ Lu sagte zu. Als er auf das Boot gekommen war und Platz genommen hatte, erhob sich die kranke Tochter ohne weiteres von ihrem Lager, kleidete sich an und begrüßte ihn. Read the rest of this entry »
Posted: Dezember 24th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Jiu za pi yu jing, Kang Senghui | No Comments »
Es war einmal ein König, der seine Frauen besonders streng beaufsichtigte. Seine Hauptgemahlin sprach zum Kronprinzen: „Ich, deine Mutter, habe mein ganzes Leben noch nie die Hauptstadt gesehen. Ich möchte einmal einen Ausflug machen. Sprich mit dem König darüber!“ Immer wieder äußerte sie diese Bitte, bis der Kronprinz dies dem König vortrug, und der genehmigte es. Der Kronprinz lenkte selbst den Wagen für sie. Die Beamtenschaft ließ er die Strassen säumen, wo sie mit Kotau den Wagen grüßten. Die Gemahlin streckte die Hand hinaus und öffnete den Vorhang, damit man sie sehen konnte. Als der Kronprinz sah, dass die Frauen so sind, da gab er vor, Bauchschmerzen zu haben und kehrte um. Read the rest of this entry »
Posted: Dezember 18th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Jiu za pi yu jing, Kang Senghui | No Comments »
Es war einmal ein Land, in dem reiften die Feldfrüchte, das Volk lebte in Frieden, und es gab keine Krankheiten. Tag und Nacht gab es Artistik und Musik, und niemand hatte Sorgen. Der König fragte seine Minister: „Ich habe gehört, dass es auf der Welt Unheil gibt. Was ist das?“ Sie antworteten: „Wir haben es auch noch nicht gesehen.“ Daraufhin entsandte der König einen Minister ins Nachbarland, wo er es kaufen sollte. Read the rest of this entry »
Posted: Dezember 16th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Jiu za pi yu jing, Kang Senghui | No Comments »
Als die Tochter des Drachenkönigs einst einen Ausflug machte, wurde sie von einem Rinderhirten gefesselt und geschlagen. Der König des Landes, der eine Reise zu den Grenzen unternahm, fand sie, löste ihre Fesseln und ließ sie gehen. Read the rest of this entry »
Posted: Dezember 15th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Yuan Mei | No Comments »
Als Huang Yunxiu, ein junger Mann, sich Bücher ausleihen wollte, überließ sie ihm der Herr des Sui-Gartens und teilte ihm mit:
Man liest nur die Bücher, die man sich ausleiht. Hat er nicht von den Büchersammlern gehört? Die Sieben Kataloge und die Sammlung Siku Quanshu, das sind die Bücher der Kaiser, aber wieviele Kaiser gab es schon, die Bücher lasen? Read the rest of this entry »
Posted: Dezember 11th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Zongyuan | 1 Comment »
In Yongzhou kommt auf dem Lande eine sonderbare Art von schwarzen Schlangen mit weißer Zeichnung vor. Gräser und Bäume sterben ab, wenn sie von ihnen berührt werden, und für Menschen, die von ihnen gebissen werden, gibt es kein Gegenmittel. Doch wenn man sie fängt und an der Luft trocknet, um sie als Medizin zu verwenden, dann können sie Aussatz, Gelenkkrümmungen, Halsgeschwülste und Geschwüre heilen, sowie faules Fleisch beseitigen und Parasiten abtöten. Das Hofärztliche Amt hatte einst auf höchsten Befehl veranlasst, sie zu sammeln. Zweimal jährlich waren sie einzuziehen. Man hatte nach Leuten gesucht, die sie fangen konnten, und diesen sollten stattdessen die Steuern erlassen werden. In Yongzhou wetteiferte man darum.
Ein Mann namens Jiang genoss nun dieses Privileg schon in der dritten Generation. Als ich ihn dazu befragte, meinte er: Read the rest of this entry »
Posted: Dezember 3rd, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Yiqing, Shi shuo xin yu, SSXY | No Comments »
Vor dem Empfang eines Gesandten der Xiongnu veranlasste Cao Cao, der seine eigene Erscheinung für allzu unscheinbar hielt und für ungeeignet, ein fernes Land zu beeindrucken, dass Cui Jigui ihn vertrat. Er selbst stellte sich mit einem Schwert in den Händen neben das Sitzpodium. Danach liess er einen Spion fragen: “Wie ist denn der Herrscher von Wei?” Der Gesandte der Xiongnu antwortete: “Der Herrscher von Wei ist aussergewöhnlich in seiner Erscheinung und seinem Format. Doch der Mann mit dem Schwert neben dem Podium, das war ein Held!” Als Cao Cao das hörte, befahl er, dass man dem Gesandten nacheilte und ihn tötete.
Aus dem Shi shuo xin yu (Kap. 14.1) von Liu Yiqing (403-444).
Posted: November 25th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Yiqing, Shi shuo xin yu, SSXY | No Comments »
Als Xu Yun vom Prinzen Jing von Jin ums Leben gebracht worden war, traten Leute Xu Yuns ins Gemach seiner Frau und berichteten ihr davon. Ohne eine besondere Regung zu zeigen, sagte seine Frau, die gerade am Webstuhl sass: „Ich habe es lange kommen sehen.“ Als jene ihre Söhne verstecken wollten, meinte sie: „Die Söhne haben damit nichts zu tun.“ Später nahm sie ihren Wohnsitz in der Nähe des Grabs. Prinz Jing entsandte Zhong Hui, Read the rest of this entry »
Posted: November 24th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Li Yiqing, Shi shuo xin yu, SSXY | No Comments »
Die Frau von Xu Yun war eine Tochter von Ruan Gong und eine jüngere Schwester von Ruan Kan. Sie war von seltener Hässlichkeit. Nach dem Ritus des gegenseitigen Kotaus begab sich Xu Yun nicht mehr zurück ins innere Gemach. Seine Familie war deswegen sehr besorgt. Es traf sich, dass Xu Yun einen Besucher bekam, und seine Frau hieß ihre Zofe nachsehen, wer es war. Read the rest of this entry »
Posted: November 18th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Yiqing, Shi shuo xin yu, SSXY | No Comments »
Zhong Yu und Zhong Hui waren schon als Knaben berühmt. Als sie dreizehn Jahre alt waren, hörte der Kaiser Wen der Wei-Dynastie von ihnen und sagte zu ihrem Vater Zhong Yao: “Lasse deine beiden Söhne herkommen!” Daraufhin kamen sie zur Audienz. Zhong Yu stand der Schweiß im Gesicht, und der Kaiser fragte ihn: “Warum steht dir der Schweiß im Gesicht?” Zhong Yu antwortete: “Mir ist vor Furcht ganz heiß, drum rinnt herab der Schweiß.” Daruf fragte der Kaiser Zhong Hui: “Und warum schwitzt du nicht?” Zhong Hui entgegnete: “Ich weiss vor Furcht nicht ein noch aus, drum wagt der Schweiß sich nicht heraus.”
Aus dem Shi shuo xin yu (Kap.2.11) von Liu Yiqing (403-444).
Posted: November 17th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Yiqing, Shi shuo xin yu | No Comments »
Als Xie An müßig in den Ostbergen lebte, machte er einmal mit Sun Zhuo und den anderen eine Lustfahrt auf dem Meer. Da erhob sich starker Wind, die Wellen schlugen hoch, und Sun, Wang Xizhi und den anderen stand die Furcht ins Gesicht geschrieben. Sie riefen, man solle umkehren. Nur Xie An kam nun in Hochstimmung, summte ein Lied und sagte nichts. Weil Xie An eine so unbeschwerte Miene zeigte und vergnügt war, fuhren die Bootsleute immer voran und brachen die Fahrt nicht ab. Als der Wind noch mehr auffrischte und gewaltige Wellen kamen, da schrien alle in Panik und blieben nicht mehr sitzen. Xie An sagte ganz ruhig: „So kommen wir nicht zurück.“ Sogleich setzten sich alle wieder auf ihre Plätze. Wenn man es von diesem Vorfall her beurteilt, dann hatte er ausreichend Format, den Frieden in der Hauptstadt und draußen zu sichern.
Aus dem Shi shuo xin yu (Kap. 6.28) von Liu Yiqing (403-444).
Posted: November 15th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Ji, Yu li zi | No Comments »
Meister Yuli sprach: „Der Tiger hat mehr als doppelt soviel Kraft wie der Mensch. Und er nutzt seine Tatzen und Zähne, welche dem Menschen fehlen, das verdoppelt seine Kraft ein weiteres Mal. Also ist es kein Wunder, wenn ein Mensch vom Tiger gefressen wird. Allerdings geschieht es selten, dass ein Tiger einen Menschen frisst, während sich Menschen des öfteren auf Tigerfelle betten. Wie kommt das? Read the rest of this entry »
Posted: November 10th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Ji Yun, Yue wei cao tang bi ji, YWCTBJ | 2 Comments »
Ein Student war einem Lustknaben verfallen. Sie liebten sich wie Mann und Frau. Als der Knabe erkrankte und dem Tod nahe war, äusserte sich seine verzweifelte Anhänglichkeit in tausenfältiger Form, und noch nach seinem letzten Atemzug umklammerte er das Handgelenk des Studenten so fest, dass dieser sich nur mit Gewalt von ihm losreissen konnte. Von da an sah er ihn in seinen Träumen, sah ihn im Licht des Mondes und der Lampe, und mit der Zeit sah er ihn sogar am helllichten Tag. Er war immer sieben oder acht Fuß von ihm entfernt, doch sagte er nichts, wenn er ihn ansprach, kam nicht näher, wenn er ihn rief, und wich zurück, wenn er auf ihn zuging. Seine Verstörtheit entwickelte sich zu einer Krankheit des Gemüts, die weder durch die Einnahme von Beschwörungszetteln noch durch Exorzismus zu heilen war. Read the rest of this entry »
Posted: Oktober 30th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Lie zi | No Comments »
Als Konfuzius gen Osten wanderte, sah er zwei Knaben sich streiten und fragte nach dem Grund. Der eine Knabe sagte: „Ich meine, dass die Sonne uns am nächsten ist, wenn sie aufgeht, und mittags ist sie weiter weg. Der andere Knabe meinte, dass die Sonne bei ihrem Aufgang weiter weg sei und mittags näher. Der erste Knabe sagte: „Wenn die Sonne gerade aufgegangen ist, dann ist sie so groß wie ein Baldachin auf einem Wagen. Um die Tagesmitte ist sie so groß wie eine Schüssel. Ist das nicht so, weil Entferntes kleiner ist und Nahes größer?“ Der andere Knabe sagte: „Wenn die Sonne aufgeht, ist sie kühl, um die Tagesmitte ist sie kochend heiß. Ist das nicht so, weil Näheres heisser ist und Entferntes kälter?“ Konfuzius wusste keine Lösung. Die zwei Knaben lachten und sagten: „Wer sagt da, du wüsstest viel?“
Aus dem Lie zi (3.-4.Jh.n.Chr.). Text hier.
Posted: Oktober 29th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: Liu Xiang, Shuo yuan, SY | No Comments »
Ein Pferdezüchter der Herzogs Jing hatte eines von dessen Pferden getötet. Der Herzog geriet in Wut, nahm eine Lanze und wollte ihn erstechen. Meister Yan sprach: „So würde er sterben, ohne erfahren zu haben, welche Verbrechen er begangen hat. Lasst mich ihm an Eurer Stelle seine Verbrechen aufzählen und ihn danach töten.“ „Gut so!“ meinte der Herzog. Meister Yan erhob die Lanze, trat auf den Pferdezüchter zu und sprach: „Du züchtest Pferde für unseren Fürsten und hast eines getötet – das ist ein todeswürdiges Verbrechen. Du bringst unseren Fürsten dazu, wegen eines Pferdes einen Pferdezüchter zu töten – das ist gleichfalls ein todeswürdiges Verbrechen. Und du bewirkst, dass bei den Herrschern unserer Nachbarländer bekannt wird, dass unser Fürst wegen eines Pferdes einen Menschen tötet – auch das ist ein todeswürdiges Verbrechen.“ „Lasst ihn frei,“ sagte da der Herzog, „meine Menschlichkeit soll keinen Schaden leiden!“
Aus dem Kapitel Zheng jan des Shuo yuan von Liu Xiang (Westliche Han-Dynastie).
Posted: Oktober 26th, 2009 | Author: RM | Filed under: Allgemein | Tags: SSXY | No Comments »
Sun Zijing zeigte aufgrund seiner eigenen Begabung selten Bewunderung für andere, nur Wang Wuzi zollte er stets hohen Respekt. Bei der Trauer um Wang Wuzi waren die berühmten Männer jener Zeit in voller Zahl anwesend. Sun Zijing kam erst später dazu und weinte so bitterlich vor dem Leichnam, dass allen Gästen die Tränen kamen. Als er aufgehört hatte zu weinen, sprach er, zum Aufbahrungsbett gewandt: „Ihr habt es immer gern gehört, wenn ich den Schrei eines Esels nachahmte. Heute tue ich es wieder für Euch.“ Er tat es so mit solcher Ähnlichkeit in Gestalt und Stimme, dass alle Gäste in Gelächter ausbrachen. Sun blickte auf und sprach: „Dass Leute wie ihr weiterleben dürfen und dieser Mann sterben muss!“
Aus dem Shi shuo xin yu (Kap.17.3) von Liu Yiqing (403-444). Wang Wuzi starb etwa 285 n.Chr..
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